Fight, Flight, Freeze & Fawn - wie reagieren Gehirn und Körper auf Bedrohungen?

Bevor wir uns die einzelnen Angst- & Stressreaktionen genauer anschauen, möchte ich Dir heute zeigen, wie unser Gehirn und unser Körper auf eine Bedrohung reagiert...

Wie schon im vorangegangenen Artikel geschrieben, sind die Fight-, Flight- und Freeze-Reaktion bereits evolutionär in uns angelegt und sobald wir eine Bedrohung wahrnehmen, werden diese automatisch aktiviert. Und das ist gut so, denn diese Reaktion versetzt unseren Körper in einen Zustand, in der wir unsere höchste Leistungsfähigkeit abrufen können, um in Gefahrensituationen überleben zu können. Und ja, früher waren diese Stressreaktionen echt überlebenswichtige Mechanismen, um sich vor wilden Tieren oder feindlichen Stämmen schützen zu können. 

Dies ist mit ein Grund, warum wir heutzutage in Angst- oder Stresssituationen dann oft mit Wut (= fight) reagieren. Oder den Drang verspüren, aus dieser Situation zu fliehen (= flight) und wenn es nur um Kommunikation geht... Oder wir sind einfach völlig bewegungslos (= freeze) und nicht in der Lage, zu reagieren. Auch das Einschmeicheln (= fawn) ist heutzutage eine ergänzte Variante. 

Heute beegnen wir eben nur noch selten wilden Tieren - unsere "heutigen wilden Tiere" sind Dinge, die uns massiv fordern, z.B. sozialer Druck, finanzielle Unsicherheit, Ungerechtigkeit, etc.. Jetzt kann unser Gehirn allerdings dabei nicht unterscheiden, ob dies jetzt eine körperliche oder psychische Bedrohung ist, mit der wir uns gerade auseinander setzen müssen und insofern führt dies in unserer heutigen schnelllebigen Zeit schnell zu unangemessenen Angst- oder Stressreaktionen. Vielleicht fallen dir beim Lesen Situationen ein, in denen du solche Reaktionen miterlebt hast und beobachten konntest... 

Wie reagiert nun unser Körper auf eine Bedrohung?

Was ändert sich körperlich? Und was bringt es dir in der Gefahrensituation?
die Sinne (Sehen, Hören...) werden geschärft bessere Reaktionen auf Gefahren
erhöhte Blutgerinnug Schutz vor Blutverlust bei Verletzungen
das Herz schlägt schneller mehr Leistung und Kraft
vermehrtes Schwitzen Schwitzen hilft, die Körpertemperatur zu regulieren, wenn du dich anstrengst
veränderte Verdauung spart Energie für wichtigere Reaktionen
Stresshormone werden freigesetzt ermöglich dir eine schnelle Entscheidungsfähigkeit und eine hohe Wachsamkeit
der präfrontale Cortex arbeitet weniger schnelle Reaktionsfähigkeit
das Blut wird vermehrt in die Arme und in die Beine gepumpt es ist somit mehr Blut in den Bereichen vorhanden, die für Kampf und Flucht erforderlich sind

 

Und was genau passiert dabei in unserem Gehirn?

 

 

Das Gehirn setzt Adrenalin frei

Wir haben in unserem Gehirn verschiedene Regionen mit unterschiedlichen Aufgaben und Funktionen. Vielleicht hast Du bereits von der Amygdala gehört, unser Angstzentrum.

Die Amygdala bewertet unsere eingehenden Informationen auf potentielle Gefahren. Fühlen wir uns  in irgendeiner Weise, körperlich oder psychisch bedroht, sendet unser Angstzentrum sofort Signale an andere Hirnareale und schon geht es los... Adrenalin wird in den Blutkreislauf abgegeben... 

Das Adrenalin aktiviert das sympathische Nervensystem

Unser sympathisches Nervensystem schüttet nun Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin aus.

Diese beiden Hormone lösen damit eine Reihe von körperlichen Veränderungen aus, die quasi deinen Körper auf Kampf, Flucht oder Erstarren vorbereiten.

Adrenalin und Noradrenalin - wie mit einem Megaphon werden die körperlichen Reaktionen nun ratzfatz ausgelöst.

 

Die Angstreaktion

Jetzt kommt es zu den körperlichen Veränderungen wie oben beschrieben - es geht darum, dem Körper Energie bereitzustellen, um schnelle Reaktionen möglich zu machen:

Blut wird nun in die Organe und Muskeln gepumpt, die in einer Gefahrensituation am wichtigsten sind: 

Herz, Arme und Beine

 

Beruhigung und Entspannung

Sobald die Gefahr vorüber ist, wird das parasympathische Nervensystem aktiv und sorgt dafür, dass wir uns wieder beruhigen und entspannen können.

!!! Manchmal funktioniert diese Regulierung nicht mehr so gut und sorgt dafür, dass der Körper quasi länger im Alarmzustand verharrt oder eben auch übermäßig stark auf Bedrohungen reagiert... Dies kann ein Hinweis auf chronische Ängste, Burnout oder Trauma sein. Sprich in diesem Fall bitte mit deinem Hausarzt oder einem Facharzt darüber - suche Dir Hilfe. !!!

Egal, wo du auf deinem Weg gerade stehst - es gibt Unterstützung und Veränderung ist immer möglich.

Im nächsten Blogbeitrag schauen wir uns die verschiedenen Reaktionen auf Stress genauer an.

Wenn du Fragen, Anregungen oder auch ein Feedback hast - schreib mir gerne eine E-Mail!

Fühlt euch ganz lieb gedrückt.

... Fortsetzung folgt ... 

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